Sportgeräusch – Klangsport

Sonntag | 02.12.2012 | 17.00 Uhr

Live-Performance und Podiumsdiskussion


Hans W. Koch (1962)
presumption & failure - für zwei Federballspieler und Live-Elektronik (2004)


Dodo Schielein (1968)
Übertragung - für zwei Fechter(innen) und Elektronik (2008)


Björn Gottstein (1967)
Sport hören (Ausschnitte aus dem O-Ton-Feature, WDR 2005)


David Moss (1949)
Stimmperformance (aus: Physical Acts, 1992)

sowie elektroakustische Miniaturen zum Thema „Sport“ von Ksenija Ladiç, Thomas Meier und Marcus Thomas (Studiengang Sound Studies der UdK Berlin)


mit Sven Weber und Christian Holzmacher (Federball), Dodo Schielein und Martin Winter (Fechten), Volker Straebel (Live-Elektronik) sowie David Moss

 

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Jedes Geräusch, jeder Klang entsteht aus einer Bewegung. Musikausübung könnte rein technisch auch als eine Abfolge sehr differenzierter Bewegungen zum Zwecke der Klangerzeugung gesehen werden, während es im Sport um die körperliche Aktion selbst geht und die dabei entstehenden Geräusche eher nebensächlich sind. Doch spätestens seit John Cage und R. Murray Schaeffer sind Geräusche des Alltags bei aufmerksamer Hörhaltung auch als musikalische Abläufe aufzufassen.


„Das Rauschen des Verkehrs, das Pfeifen eines Wasserkessels, das Surren einer Glühbirne: all das lässt sich heute, bei konzentrierter Hörhaltung, ästhetisieren und wie ein Stück Musik goutieren. Und selbstverständlich lässt sich auch ein Sportereignis mit geschlossenen Augen und aufgestellten Ohren als ein sinfonischer und polyfon orchestrierter Tumult erleben ... Berichte von Formel-1-Fans, die sich am Abend vor dem Rennen mit dem auf CD gebannten Heulen der Rennmotoren einstimmen, lassen immerhin ahnen, dass der getunte Sound über eine konstituierende Macht verfügt.


Und noch auf einer anderen, der sprachlichen Ebene gräbt Sport sich ins akustische Gedächtnis. Das Gewicht, das die nationale Identitätsfindung Herbert Zimmermanns „Das Spiel ist aus“ -Kommentar gewährt, lässt wissen, dass Epiphanie im Sport kein Privileg der Bilder ist ... Die wichtigste, weil der Sache unwiderruflich eingeschriebene Sphäre ist die der Klänge des Spiels selbst: der Aufprall eines Basketballs auf dem Linoleum, das Schleifen der Schlittschuhe auf dem Eis, der dumpfe Aufprall des Boxhandschuhs in der Magengrube des Gegners. Jede Sportart verfügt über ein Repertoire an Klängen, die dem Spiel mehr als nur einen Rhythmus verleihen, sondern die es regelrecht orchestrieren.“ (Björn Gottstein, Sport hören, O-Ton-Feature, WDR 2005)


„Ist das Klischee vom Samba-tanzenden Brasilianer auf dem Fußballfeld empirisch zu belegen? Weisen die individuellen Ballfertigkeiten eines Fußballers „kulturdifferente Spezifika“ auf? Neuere Untersuchungen in Neurowissenschaften und Rehabilitationsmedizin, aus der Entwicklungspsychologie und Motorikforschung legen den Schluss nahe. Rhythmische Kompetenz ist eine wesentliche Komponente bei der Bewegungssteuerung. Und diese rhythmische Kompetenz unterliegt, ähnlich der Konditionierung auf die Muttersprache, einer frühkindlichen Prägung in Abhängigkeit von musikalischen Umgebungsreizen.


Findet sich also eine Art lokales Kolorit im Bewegungsmuster eines Menschen? Gibt es so etwas wie regionale motorische Dialekte? Wir haben uns der Frage musikalisch genähert und Bewegung hörbar gemacht. Fußball schien uns dazu ein idealtypisches Studienfeld. Hier muss dem gleichmäßigen Rhythmus der Laufbewegung die Frequenz von Fuß/Ball-Berührungen assoziiert werden. Dabei sind Verbindungen auf der Basis einfacher Zahlenverhältnisse (etwa alle zwei Schritte eine Ballberührung) möglich, aber auch synkopische Verschiebungen und off-beat-Akzente bis hin zu polyrhythmischen Kombinationen und plötzlichen Rhythmusbrechungen...” (Manfred Müller)


An diesem Abend präsentieren Sportler, Musiker und Wissenschaftler überraschende, humorvolle und ausgefallene Performances, Aktionen und Arbeitsergebnisse (bis hin zu Gunter Gebauers Idee eines tönenden Sportschuhs), die viel von der Persönlichkeit des Sportlers und der Besonderheit des Sports verraten – auf eine sinnliche, unmittelbar nachvollziehbare Weise.


Auf dem Podium:

Prof. Dr. Gunter Gebauer, Philosoph (Freie Universität Berlin)
Manfred Müller, Sportjournalist (WDR Köln)
David Moss, Komponist, Performer, Klangkünstler (New York/Berlin)
Björn Gottstein, Musikwissenschaftler (Berlin)

Moderation: Ralf Hoyer, Komponist (Berlin)

 

Veranstaltungsort
TiB-Sportzentrum großer Kursraum
Columbiadamm 111
10965 Berlin

 

Kartenansicht

 

Eintritt 8,00 / ermäßigt 5,00 Euro


Karten www.cts.de / 01805 - 57 00 70 (zzgl. VVK-Gebühr 3,95 Euro)

Reservierung: Frau Brinkmann, tickets0212@bgnm.de (Abholung am 02.12.2012 16:00-16:30 Uhr)

Achtung: begrenztes Platzkontingent!

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